„Ein Kollege hat zu mir gesagt: Konzern und Kombinat ist dieselbe Scheiße“

Der ehemalige Betriebsrat Klaus Blum über die Glasproduktion in Torgau

 

Einst war Torgau eine stolze Industriestadt an der Elbe, im VEB Flachglaskombinat Torgau arbeiteten bis 1990 beispielsweise ca. 1774 Menschen. Laut Klaus Blum kam dann die schlimmste Zeit ab Oktober 1990: Als studierter Ingenieur leitete er damals die Produktion und konnte – auch durch die Entlassung der kubanischen Vertragsarbeiter*innen – viele Arbeitsplätze der Stammbelegschaft retten.

Der Betrieb hatte einen entscheidenden Vorteil im Gegensatz zu anderen VEBs: 1985 war man durch den Erwerb einer Floatanlage auch mit der westlichen Glasproduktion wettbewerbsfähig geworden. So wurde der Betrieb bereits 1991 an den heutigen Besitzer, den traditionsreichen französischen Werkstoffkonzern Compagnie de Saint-Gobain, verkauft.

Aufgrund seines engagierten Einsatzes für den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze wurde er von seinen Kolleg*innen überredet sich als Betriebsrat aufzustellen – und wurde mit einem sehr guten Ergebnis gewählt. Der einst große Betriebsrat wurde aber immer kleiner, da dieser für immer weniger Mitarbeiter*innen zuständig war. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Betrieben in Nordsachsen konnte sich der Betrieb bis heute halten, produziert und exportiert seine Glasprodukte in alle Welt.

Dass dies so gelang, lag nicht zuletzt an dem Engagement der Industriegewerkschaft Chemie-Papier und Keramik, welche im Falle der Schließung des Betriebes die Rückzahlung der staatlichen Fördermittel forderte. Zusammen mit den Betriebsratskolleg*innen aus dem Westen konnte Klaus Blum im Konzernbetriebsrat viele Arbeitsplätze retten. Bei diesen Zusammentreffen fiel ihm immer wieder auf, dass die Arbeitswelt in Ost und West sich nicht so groß unterschieden hatten.

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