“Die wollten unbedingt die D-Mark … die wussten nur noch nicht, dass mit der D-Mark sie auch ein völlig anderes System bekommen werden.“

Die ehemalige DDR-Wirtschaftsministerin Prof. Dr. Christa Luft über die Treuhandpolitik und deren fortdauernde Folgen auf das gesellschaftliche und berufliche Leben der Menschen im Osten

 

Die Ökonomin Prof. Dr. Christa Luft erinnert sich an die bewegte und bewegende Zeit 1989/90. Sie kam von der Hochschule für Ökonomie (HfÖ) in Berlin-Karlshorst, deren Rektorin sie seit 1988 war. Sie schildert wie dort bereits fachliche Überlegungen angestellt wurden, die Mark der DDR konvertierbar zu machen und damit den Menschen in der DDR den erwünschten Zugang zu Konsumgütern aber auch zu Reisen zu ermöglichen. Fertige Konzepte habe es jedoch keine gegeben.

„Wir wussten, das wird kein Spaziergang und … wird schmerzhaft sein. Aber solche Dinge waren natürlich nach dem 9. November passé.“


Christa Luft schildert wie die ersten Überlegungen aussahen: Eben keine Privatisierung der großen Kombinate, sondern die Herauslösung von Kombinatsbereichen, die nicht zum eigentlichen Aufgabenbereich gehörten.

Sie erzählt von persönlichen Begegnungen in Betrieben in der Wendezeit und gibt den drängenden Wunsch der Bevölkerung nach der D-Mark bereits im Vorfeld der Wahlen am 18. März 1990 wieder.

Sie schildert den Irrtum der DDR-Bürger sowohl die sozialen Errungenschaften der DDR und die „harte D-Mark“ haben zu können und das obwohl die Bundesregierung die Privatisierung des Volkseigentums schon früh als „Pfand“ für die deutsche Einheit öffentlich verkündete.

Die Modrow-Regierung habe dann vieles mit „blutendem Herzen“ umgesetzt, aber auch sie hätten nicht gedacht, dass alle Probleme des Westens ebenso 1:1 übernommen werden würden.

Mit der Schaffung einer Treuhandanstalt wollte die Regierung Modrow das Volkseigentum im Interesse der Bürger*innen der DDR bewahren, doch die Treuhandanstalt wurde nach der Vereinigung zur reinen Privatisierungsbehörde.

Betriebe und Kombinate sollten nach Vorstellung der Regierung Modrow möglichst erhalten bleiben, es ging schließlich um die Arbeitsplätze und die Möglichkeit sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Anteilsscheine waren ihrer Meinung nach eine aussichtslose Idee, war doch der Einfluss der Bundesregierung spätestens unter der Regierung de Maizière viel zu groß.

Was die Verantwortlichen in der DDR immer wieder zu hören bekamen, war der Vorwurf dass die DDR pleite sei. Dabei habe die Bundesregierung den künftigen Umgang mit dem Osten allein aus wirtschaftlicher Sicht, aus Sicht der Westkonzerne gesehen. Im Vordergrund haben die Absatzmärkte der DDR-Industrie und das fachliche Know-How der Wissenschaftler*innen und Ingenieur*innen gestanden, das habe man sich rücksichtslos angeeignet.

Christa Luft stellt dar, wie die Absatzmärkte vor allem in den Ostblockstaaten für die DDR-Waren wegbrachen, weil durch den Währungskurs die DDR-Produkte in Polen, Ungarn, Bulgarien, der Sowjetunion plötzlich nicht mehr absetzbar, weil nicht mehr bezahlbar waren.

Und gleichzeitig landete das DDR-Vermögen, was zur Privatisierung anstand, zu 85% im Westen, zu 10% im Ausland und nur zu 5% verblieb es im Osten. Dabei waren vor allem der Grund und Boden der Kombinate sehr begehrt und wurde über die Treuhand umverteilt.

Die Blitzableiterfunktion der Treuhand für die Enttäuschung sei das eine, aber, so Christa Luft weiter, das andere sei die fehlende und ungenügende Ausarbeitung der Verantwortung der damaligen Bundesregierung: vom Währungskurs, über die Unterstellung der Treuhand unter das Finanz- statt das Wirtschaftsministerium, dem Prinzip Rückgabe vor Entschädigung, der Altschuldenregelung und auch für die Boni für die Treuhänder für schnelle Privatisierungen sowie die Haftungsfreistellungen für die Mitarbeiter*innen der Treuhandanstalt.

„Darum, wenn ich auf die Treuhand zurückblicke sage ich, … welche Rolle die Bundesregierung dabei gespielt hat. Für dieses was am Ende sich so dramatisch für die Ostdeutschen ausgewirkt hat, denn diese Treuhand verantwortet am Ende die größte Vernichtung von Produktivvermögen in Friedenszeiten. Aber dass die Treuhand Menschen behandelt hat wie Sachen, passt doch zu dem Tenor: Menschen sind im Kapitalismus ‚Humanressourcen‘.“

 

 

 

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